
Wasserball
Der Wasserballgott war kein Neuköllner
15.05.2026
Am Ende fehlten der SG Neukölln nur wenige Sekunden zu einem echten Play-off-Coup. In einer hochdramatischen ersten Halbfinalpartie um die Plätze fünf bis acht der Wasserball-Bundesliga mussten sich die Berliner am Samstag im Sportbad Britz den OSC Potsdam Orcas erst nach Fünfmeterwerfen mit 18:19 geschlagen geben. Nach regulärer Spielzeit hatte es 13:13 (5:6/4:4/2:1/2:2) gestanden. Trotz der Niederlage zeigte Neukölln vor heimischer Kulisse eine kämpferisch und spielerisch starke Leistung, die Mut für das zweite Spiel der „Best of Three“-Serie macht.
Die Gastgeber fanden zunächst nur schwer in die Partie. Nervös im Spielaufbau und nicht konsequent genug in der Defensive lag Neukölln schnell mit 0:3 zurück. Doch dann übernahm Terrence Smit Verantwortung – und wie. Mit einem lupenreinen Hattrick brachte der überragende Niederländer seine Mannschaft postwendend zurück ins Spiel und stellte früh klar, dass Neukölln sich keinesfalls kampflos ergeben würde.
In der Folge entwickelte sich eine intensive und hochklassige Begegnung zweier Teams auf Augenhöhe. Potsdam legte immer wieder vor, doch Neukölln fand stets die passende Antwort. Besonders offensiv präsentierten sich die Berliner variabel und mutig, angetrieben von einem entfesselten Terrence Smit, der nahezu nach Belieben traf. Ein hervorragend aufgelegter Connor Bruchwalski im Tor der Neuköllner performte meisterlich und lieferte das bislang beste Saisonspiel ab und hielt seine Mannschaft im Spiel.
Sieben Minuten vor dem Ende war die Partie endgültig gekippt: Ausgerechnet Smit erzielte mit seinem bereits neunten Treffer die erste Neuköllner Führung zum 12:11 und ließ das Sportbad Britz beben. Als Ihor Kechedzhy drei Minuten vor Schluss auf 13:11 erhöhte, schien Neukölln auf dem besten Weg zum verdienten Auftaktsieg der Serie.
Potsdam gelang knapp zwei Minuten vor dem Ende zwar noch der Anschlusstreffer, doch Neukölln hatte das Geschehen eigentlich unter Kontrolle. Die Schlussphase sollte dennoch dramatisch werden. 20 Sekunden vor dem Ende entschieden die Unparteiischen auf ein Stürmerfoul gegen Neukölln – eine Szene, die bereits für Diskussionen sorgte. Potsdam nahm sofort die Auszeit, setzte alles auf eine Karte und brachte für den letzten Angriff einen siebten Feldspieler zugunsten eines „Empty Goal“.
Drei Sekunden vor der Schlusssirene kam der entscheidende Pass an den Pfosten, den der Potsdamer Angreifer zunächst nicht kontrollieren konnte. Doch erneut griff einer der Schiedsrichter ein und entschied in einer durchaus fragwürdigen Szene auf Strafwurf für die Gäste. Die Orcas nutzten die Gelegenheit eiskalt und retteten sich mit dem 13:13 in das Fünfmeterwerfen.
Dort bewiesen Marc Weber, Ihor Kechedzhy, Tamas Tanczer, Terrence Smit und Aly Elaassar zunächst starke Nerven – alle zehn Schützen des ersten Durchgangs verwandelten souverän. Erst in der zweiten Runde hatte Neukölln das Pech auf seiner Seite: Kapitän Marc Weber scheiterte mit seinem zweiten Versuch am Potsdamer Schlussmann, während die Gäste trafen und sich so den knappen 19:18-Erfolg sicherten.
Trotz der bitteren Niederlage kann die SG Neukölln viel Positives aus diesem packenden Play-off-Abend mitnehmen. Vor allem die Moral nach dem frühen 0:3-Rückstand und die starke offensive Vorstellung machen Hoffnung für das zweite Spiel der Serie. Dort steht Neukölln allerdings bereits mit dem Rücken zur Wand: Am kommenden Samstag, den 16. Mai 2026, um 18:00 Uhr im Potsdamer blu müssen die Berliner den ersten Matchball der Orcas abwehren, um ein entscheidendes drittes Spiel am Sonntagmorgen zu erzwingen.
Fun Facts am Rand: Aly Elaassar erzielte im Spiel seinen 100. Treffer für die SG Neukölln. Herzlichen Glückwunsch, Aly.
Der 15-jährige Youngster Jonas Seidel erzielte mit dem 11:11 Ausgleich seinen ersten Bundesliga-Treffer. Weiter so, Jonas !!!
Für die SG Neukölln im Einsatz waren:
Connor Bruchwalski, Jonas Seidel (1), Aly Elaassar (1+1), Terrence Smit (9+1), Philipp Gottfried, David Kleine, Marc Weber (1+1), Artur Toth, Tarek Chiru, Justus Oestreich, Tamas Tanczer (+1), Justus Oestreich, Ihor Kechedzhy (1+1), John Pohle, Jonas Kleiber
Trainer: Andreas Schlotterbeck, Sascha Pacyna
Mental-Coach: Amelie Garbe
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