
Wasserball
Junge SG Neukölln überzeugt beim Saisonauftakt trotz 5:22
12.10.2026
Starker Auftritt in der ersten Halbzeit, zwei vergebene Strafwürfe und ein kräftezehrender Schlussabschnitt: Die neu formierte SG Neukölln zeigt beim amtierenden Deutschen Meister WASPO 98 Hannover vielversprechende Ansätze.
Zum Auftakt der Wasserball-Bundesliga-Saison 2026/27 wartete auf die SG Neukölln gleich die schwierigste Aufgabe der gesamten Spielzeit. Am Samstagabend gastierte das junge Berliner Team beim amtierenden Deutschen Meister, Pokalsieger und frischgebackenen Supercup-Gewinner WASPO 98 Hannover. Gegen den Champions-League-Teilnehmer unterlagen die Neuköllner im Stadionbad Hannover mit 5:22 (4:2/5:2/5:1/8:0). Das Ergebnis fiel am Ende deutlich aus, spiegelt den couragierten Auftritt der Gäste über weite Strecken jedoch nur bedingt wider.
Die Ausgangslage hätte anspruchsvoller kaum sein können. Während Hannover mit dem Selbstvertrauen zahlreicher nationaler Titel und internationaler Erfahrung in die neue Spielzeit startete, befindet sich die SG Neukölln in einer Phase des Umbruchs. Nach dem siebten Platz in der vergangenen Saison musste der Berliner Bundesligist gleich acht Abgänge verkraften. Altersbedingt und aus unterschiedlichen anderen Gründen verließen mehrere Spieler den Verein, sodass der Kader grundlegend verjüngt wurde.
Zusätzlich erschwert wurde die Aufgabe durch weitere personelle Ausfälle. Mit Mark Weber und Aly Elaassar musste die SG Neukölln auf zwei erfahrene Routiniers verzichten. Auch U18-Nationalspieler Justus Oestreich stand nicht zur Verfügung. Damit fehlten der ohnehin jungen Mannschaft wichtige Spieler, die zusätzliche Erfahrung und Stabilität hätten einbringen können. Angesichts dieser Voraussetzungen war die Herausforderung beim amtierenden Deutschen Meister noch einmal größer.
Umso erfreulicher war der Auftritt der neu formierten Mannschaft in Hannover. Vier U18-Spieler sowie weitere vier U20-Akteure gehörten zum jungen Neuköllner Aufgebot. Für viele von ihnen bedeutet die Bundesliga eine große sportliche Herausforderung. Gegen eine Mannschaft von Hannovers internationalem Format sammelten sie wichtige Erfahrungen – und bewiesen, dass sie sich auch vor großen Namen nicht verstecken müssen. Ein besonderes Highlight war die Performance des Neuköllner Schlussmannes Tamas Pelle, der vom Schweizer Erstligisten Lugano Sharks zu uns wechselte. Der 20-jährige Ungar lieferte eine bärenstarke Vorstellung im Tor der Neuköllner ab und hielt seine Jungs lange im Spiel.
Besonders die erste Spielhälfte machte Mut. Neukölln hielt gegen den spielstarken Gastgeber gut dagegen und ließ sich zunächst nicht abschütteln. Zur Halbzeitpause stand es 9:4 für Hannover. Gegen den Titelverteidiger war das aus Sicht der Berliner eine respektable Zwischenbilanz und ein Beleg dafür, dass die Mannschaft trotz ihrer jungen Besetzung mithalten kann.
Noch enger hätte die Partie verlaufen können:
Gleich zwei Fünfmeterstrafwürfe konnten die Neuköllner nicht im gegnerischen Tor unterbringen. Mit etwas mehr Konsequenz bei diesen Gelegenheiten wäre möglicherweise ein noch günstigerer Spielverlauf möglich gewesen. Die vergebenen Chancen verhinderten, dass sich die Gäste für ihre engagierte Leistung zusätzlich belohnten.
Hannover zeigte unterdessen, warum das Team aktuell die nationale Spitze verkörpert. Die Gastgeber verfügen über große individuelle Qualität, viel Routine und die Erfahrung aus anspruchsvollen nationalen und internationalen Begegnungen. Gerade gegen einen solchen Gegner werden Fehler und ungenutzte Chancen schnell bestraft.
Nach dem Seitenwechsel wurde die Aufgabe für die junge Neuköllner Mannschaft zunehmend schwieriger. Mit fortschreitender Spielzeit machten sich die körperliche Belastung und die fehlende Erfahrung auf diesem Niveau bemerkbar. Im Schlussviertel fehlten schließlich die Kräfte, um dem Tempo der Hannoveraner weiter standzuhalten. Der letzte Abschnitt ging mit 0:8 verloren, wodurch ein insgesamt engeres Endergebnis außer Reichweite geriet.
Am Ende stand eine 5:22-Niederlage auf der Anzeigetafel. Das Resultat war deutlich, sollte aber nicht allein zum Maßstab für die Leistung der Berliner werden. Insbesondere die erste Halbzeit und der zwischenzeitlich überschaubare Rückstand zeigten, dass die Mannschaft gute Ansätze mitbrachte. Die beiden vergebenen Strafwürfe und der deutliche Einbruch im letzten Viertel verdeutlichten zugleich, woran in den kommenden Wochen gearbeitet werden muss.
Ein wichtiger erster Schritt für das junge Neuköllner Team
Für die SG Neukölln beginnt die Saison 2026/27 unter besonderen Vorzeichen. Der personelle Umbruch verlangt Geduld, Zusammenhalt und die Bereitschaft, jungen Spielern Verantwortung zu übertragen. Dass gleich mehrere U18-Akteure und weitere Nachwuchsspieler in der Bundesliga zum Einsatz kommen können, ist dabei nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für die sportliche Entwicklung des Vereins.
Gegen Hannover wurde sichtbar, wie groß der Abstand zu einem etablierten Spitzenklub noch sein kann. Gleichzeitig hat die Mannschaft gezeigt, dass sie sich dieser Aufgabe stellt und über weite Strecken ordentlich dagegenhält. Die Leistung in der ersten Halbzeit ist ein Ansatzpunkt, auf dem sich aufbauen lässt. Entscheidend wird sein, die Konzentration länger hochzuhalten, Torchancen konsequenter zu nutzen und die körperliche Belastbarkeit über die gesamte Spielzeit zu verbessern.
Trotz der Niederlage kann die SG Neukölln deshalb mit ihrem Auftritt im Großen und Ganzen zufrieden sein. Der Saisonauftakt beim Deutschen Meister war eine schwierige Bewährungsprobe für eine Mannschaft im Neuaufbau – zusätzlich erschwert durch wichtige Ausfälle. Zugleich war es eine wertvolle Gelegenheit, auf höchstem nationalem Niveau dazuzulernen. Die kommenden Spieltage werden zeigen, wie schnell das junge Team die gesammelten Erfahrungen in weitere Entwicklungsschritte umsetzen kann.
Für die SG Neukölln im Einsatz waren:
Tamas Pelle, Amar Mahmutovic, Tim Hauschild, Terrence Smit, Noel Eisenreich (1), Jonas Seidel (1), Luka Filipovic, Artur Toth, Tarek Chiru, Jonas Kleiber, Lennert Rojahn, Ihor Kechedzhy (1), John Pohle, Basil Blanc (2)
Trainer: Laszlo Baksa und Raphael Rösch
Weiter geht es für die SG Neukölln bereits am kommenden Samstag, 17.10.2026, um 16:00 Uhr. In der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg empfängt sie das ebenfalls sehr junge Team des SV Cannstatt.
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