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Wasserball

Neuköllner Jungs überzeugen – Deutschland auf Platz 13

24.08.2026

Eine intensive und ereignisreiche Woche liegt hinter den deutschen U16-Wasserballern. Bei der Weltmeisterschaft vom 3. bis 9. August 2026 in Zagreb belegte die deutsche Auswahl am Ende den 13. Platz. Mit dabei: Fünf starke Nachwuchsspieler der SG Neukölln, die im Verlauf des Turniers immer wieder wichtige Akzente setzten und einen großen Anteil an der deutschen Torausbeute hatten. Überschattet wurde die WM von der schweren Verletzung des Neuköllner Centers Justus Oestreich.

Zagreb war in diesen Tagen das Zentrum des internationalen Nachwuchswasserballs. Insgesamt 36 Nationen kämpften im Turnier um den Weltmeistertitel. Gespielt wurde zunächst über vier Tage in einer Liga-Phase, in der jede Mannschaft vier Partien absolvierte.

Anders als bei einer klassischen Gruppenphase entschied anschließend der sogenannte Tournament Performance Index (TPI) über die Platzierungen. In die Berechnung flossen neben den erzielten Punkten auch die Stärke des Gegners und die Tordifferenz ein. Die acht bestplatzierten Teams zogen direkt ins Viertelfinale ein, während alle weiteren Mannschaften in ihren jeweiligen Classification-Brackets um die Endplatzierungen spielten.

Vier Spiele, viel Erfahrung

Für Deutschland begann das Turnier am 3. August mit dem Spiel gegen Uruguay. Bereits am zweiten Spieltag wartete mit den USA ein deutlich stärker einzuschätzender Gegner. Am dritten Turniertag ging es gegen Tschechien, ehe am vierten und letzten Vorrundenspieltag Montenegro auf die deutsche Mannschaft wartete. Der Spielplan dieser vier Begegnungen war bereits vor dem Turnier festgelegt.

Gerade das Duell mit Montenegro sollte dabei für Deutschland und insbesondere für die SG Neukölln zum bitteren Höhepunkt werden.

GER vs. URU 19:1 (Player of the Match: Nico Buchelt)
GER vs. USA 8:12
GER vs. CZE 25:0 (Player of the Match: Nico Khokhobashvili))
GER vs. MNE 10:11

Ein TPI-System mit Fragezeichen

Für Gesprächsstoff sorgte während des gesamten Turniers der neue Performance Index. Der Grundgedanke hinter dem System ist nachvollziehbar: Bei einem 36er-Feld soll durch die Berücksichtigung von Gegnerstärke und Tordifferenz eine möglichst faire Rangliste entstehen. Gleichzeitig zeigte sich in Zagreb aber auch die Kehrseite dieses Modells.

So schafften es mit Ägypten und Brasilien zwei Mannschaften in die Top 8, während etablierte europäische Wasserballnationen wie Ungarn, Griechenland und Montenegro den Sprung in die Viertelfinals verpassten. Die ungewöhnliche Konstellation gab durchaus Anlass zum Zweifeln, ob die errechnete TPI-Rangliste tatsächlich die sportliche Stärke der Mannschaften ausreichend abbildet. Auch der Modus selbst war ungewohnt: Die Teams spielten nicht in klassischen Vierergruppen, sondern wurden anhand der World-Aquatics-Rangliste in zwei Linien eingeteilt. Jede Mannschaft absolvierte vier Spiele gegen unterschiedlich gesetzte Gegner. Erst danach wurde anhand des TPI die Reihenfolge für die weitere Turnierphase bestimmt.

Das Deutsche Team belegte nach den vier Spielen den 14. Rang.

Neuköllner Quintett mit starker WM

Aus Sicht der SG Neukölln gab es dennoch allen Grund, stolz auf die fünf Nationalspieler zu sein. Justus Oestreich, Jonas Seidel, Basil Blanc, Julian Konitzer und Luka Filipovic gehörten zu den Neuköllner Leistungsträgern der deutschen Mannschaft. Die fünf Jungs zeigten über das gesamte Turnier hinweg hervorragende Leistungen. Gerade offensiv sorgten die Neuköllner immer wieder für Gefahr und steuerten einen erheblichen Teil der deutschen Treffer bei. Dass sich gleich mehrere Spieler aus der SGN auf diesem internationalen Niveau behaupten konnten, ist auch eine Bestätigung der kontinuierlich starken Nachwuchsarbeit des Vereins. Von 91 erzielten Toren gingen 56 auf die Konten der Neuköllner: Jonas Seidel – 20, Justus Oestreich – 16, Basil Blanc – 13, Julian Konitzer – 7.

Bitterer Moment gegen Montenegro

Der wohl schwerste Moment der gesamten WM ereignete sich im Vorrundenspiel gegen Montenegro. Im Positionskampf am Center bekam Justus Oestreich das Knie eines Gegenspielers mit voller Wucht gegen das Brustbein. Die Verletzung war zunächst nicht eindeutig zu erkennen. Justus biss auf die Zähne und spielte trotz der Schmerzen noch drei Viertel weiter. Der Turnierarzt vermutete zunächst eine Rippenprellung. So kam es sogar dazu, dass Justus am folgenden Tag gegen Ungarn erneut ins Wasser sprang. Beim engen 11:13 gegen Ungarn erzielte Justus gleich vier Treffer und zeigte einmal mehr seinen enormen Kampfgeist. Erst am Abend wurden die Schmerzen schließlich so stark, dass ein Krankenhaus aufgesucht wurde. Das Röntgenbild brachte dann die bittere Gewissheit: Bruch des Brustbeins. Glücklicherweise konnten weitere Untersuchungen zumindest die größte Sorge nehmen. Sowohl das EKG als auch der Ultraschall zeigten, dass das Herz nicht betroffen war. Für Justus bedeutet die Verletzung dennoch eine längere Zwangspause. Nach derzeitiger Einschätzung hat der Neuköllner Center mindestens drei Monate Spielpause. Das heißt, die U18- und auch die Herren-Bundesliga werden wohl ohne ihn starten.

Classification Matches: Deutschland kämpft sich zurück

Nach Abschluss der Vorrunde reichte es für Deutschland nicht für einen Platz unter den besten acht Mannschaften. Damit ging es im 9.–16.-Platz-Block weiter. Statt um Medaillen kämpfte die Mannschaft nun darum, sich im dicht besetzten Mittelfeld möglichst weit nach vorne zu arbeiten. Die Classification Matches verlangten den Spielern noch einmal alles ab. Anders als bei einem klassischen Turnier, bei dem nach dem Ausscheiden aus dem Viertelfinale häufig die Luft etwas raus ist, blieb in Zagreb bis zum letzten Spieltag jede Partie wichtig. Schließlich wurden sämtliche Plätze bis Rang 36 ausgespielt. Der Modus sah für die Mannschaften in den einzelnen Platzierungsblöcken weitere Viertel-, Halbfinal- und Platzierungsspiele vor. Deutschland zeigte dabei Moral und kämpfte sich bis ins Spiel um Platz 13. Besonders bemerkenswert: Trotz der Verletzung von Justus und der damit verbundenen Schwächung im Centerbereich ließ sich die Mannschaft nicht hängen.

Classification Match 1 HUN vs. GER 11:13
Classification Match 2 GER vs. NZL 11:8 (Player of the Match: Basil Blanc)

Platz 13 zum Abschluss

Im abschließenden Platzierungsspiel gegen Australien machte Deutschland schließlich mit dem 10:5 Sieg den 13. Platz bei der U16-Weltmeisterschaft perfekt (Player of the Match: Basil Blanc). Damit beendet die deutsche Mannschaft ein Turnier, das sportlich sicher nicht alle Erwartungen erfüllt hat, gleichzeitig aber zahlreiche wertvolle Erfahrungen für die weitere Entwicklung des Jahrgangs brachte.

Für die fünf Neuköllner gilt dabei ganz besonders: Sie haben sich auf der größten Nachwuchsbühne des Wasserballs hervorragend präsentiert. Mit großem Einsatz, Toren, Verantwortung und jeder Menge Leidenschaft waren sie ein wichtiger Bestandteil der deutschen Mannschaft.

40 Fans für Deutschland und die SGN

Eine besondere Unterstützung gab es dabei auch abseits des Beckens. Rund 40 Eltern, Großeltern und weitere Verwandte waren nach Zagreb gereist und sorgten auf der Tribüne lautstark für Stimmung. Gerade bei den engen Spielen und in den schwierigen Momenten war die Unterstützung von außen deutlich zu spüren. Für die jungen Spieler ist eine solche Kulisse bei einer Weltmeisterschaft ein Erlebnis, das sie vermutlich nicht so schnell vergessen werden.

Zagreb war damit für die SG Neukölln vieles zugleich: Eine große internationale Bühne, ein Turnier voller wertvoller Erfahrungen, starke Auftritte der eigenen Nachwuchsspieler – und leider auch die bittere Verletzung von Justus Oestreich. Die SG Neukölln wünscht Justus eine schnelle und vollständige Genesung. Und allen fünf Neuköllnern gilt unser Glückwunsch zu einer starken Weltmeisterschaft!

Weltmeister wurde der Gastgeber Kroatien, der sich im Finale gegen Spanien dursetzte. Dritter wurde Serbien, Vierter die USA.

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